Erfolgreiches Assessment-Center in Stuttgart

Workshop mit AKAD-Dozentin Annette Wegner in Stuttgart

Wow, was für ein Tag! „Wer mal unter Stress gesetzt werden möchte, ohne dass es Konsequenzen hat, sollte dieses Seminar belegen“, sagte am Ende des Tages ein Teilnehmer und wir können ihm alle nur zustimmen.

Doch all dies war um 10 Uhr keinem der Teilnehmer klar, obwohl Frau Bartel einen Tag vorher in einer letzten Info noch darauf hingewiesen hatte :“Bitte vergessen Sie nicht, dass es in diesem Workshop um eine Praxis-Simulation geht (...)“

Taff und gut gelaunt wies Frau Wegner um 9:30 Uhr Frau Bartel und mich in unsere Beobachter-Rollen kurz ein. Frau Bartel sollte in der Simulation die Auftraggeberin sein die zukünftige Vorgesetzte, ich übernahm die Rolle einer späteren Kollegin und Frau Wegner war als externe Personalberaterin tätig.

Kein AC-Teilnehmer durfte vorher mit uns Kontakt halten und auch nicht während des Tages, dafür sorgte Frau Wegner bestimmend. Niemand sollte irgendwelche Wettbewerbsvorteile durch private Gespräche erhalten. Der Eine oder Andere fragte sich sicherlich auf was er sich da wohl eingelassen hat. Spätestens während der Durchführung der Interviews oder bei der Bearbeitung des Postkorbs war allen „Bewerbern“ klar, dass diese Simulation der Realität sehr nahe kam.

    

Zum Ablauf:
Die fünf Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Zu mir kamen anfangs zwei Teilnehmer die sich der Postkorb-Aufgabe unterzogen. Die anderen Teilnehmer hatten zwischen-zeitlich ihre Einzelinterviews. Danach wurde getauscht.

Die Postkorb-Aufgabe war: Man sollte sich in einen Restaurantleiter hineinversetzen, der zwei Wochen auf Geschäftsreise war und an seinem ersten Arbeitstag einen gefüllten Postkorb (Aufgabenblatt, 17 Schriftstücke, Tages- und Monatsplan sowie ein Organigramm) vorfindet. Es sollte nun der erste Arbeitstag nach der Geschäftsreise geplant werden. Nach 60 Min. mussten dann alle Schriftstücke und die Lösungen der Aufgaben abgegeben werden.

Als interne Beobachterin durfte ich meine „zukünftigen“ Kollegen objektiv beobachten und das Verhalten beschreiben – ohne dabei gefühlsmäßig zu bewerten. Es ist spannend und interessant zu beobachten, wie Menschen unter Stress reagieren, die Aufgabe bearbeiten und lösen. Der Eine ist nervös und zappelig, der Andere hätte am besten fünf Tische für seine individuelle Sortierungsmethodik benötigt. Wieder andere machen kleine übersichtliche Häufchen. Unglaublich, wie spannend zwei mal 60 Minuten als Beobachter im AC sein können.

Nachdem alle Teilnehmer bei den Interviews waren und die Postkorb-Aufgabe gelöst haben, wurden die Ergebnisse in Einzelarbeit (15 Minuten) vor uns drei Beobachtern präsentiert. Danach bekamen die Teilnehmer ein Feedback. Dabei kristallisierte sich stark heraus, dass es allen schwer fiel, die Aufgaben zu delegieren und zu priorisieren. Auch das Präsentieren der Aufgaben nach einem strikt vorgegebenem Thema mit immer den gleichen Fragen fiel den Bewerbern schwer und brachte Einige ins Schwitzen. Die vorgegebenen 15 Minuten waren knapp bemessen und reichten bei fast allen Bewerbern kaum aus.

Zu den Interviews bekamen wir viel individuelles Feedback. Alle fanden es sehr interessant welche Fragen gestellt wurden: „Was sind ihre Stärken und Schwächen, was war ihre größte Niederlage im Leben, warum sollten wir gerade Sie einstellen...?“ usw. Die Meisten von uns kamen bei der einen oder anderen Frage ins Stocken. Für alle war es allerdings auch sehr schwer sich in die Rolle der Stellenausschreibung Projektleitung für Marketing und Vertrieb hineinzuversetzen, da sie aus der IT-Branche kommen – für die Simulation war es jedoch sehr gut, da die Kandidaten gleich schwere Bedingungen hatten und wir somit sehr gut vergleichen konnten. Das Interview gibt den ersten Eindruck. Die anderen Übungen und Aufgaben unterstreichen und festigen den ersten Eindruck nur noch.

Da sich unsere Kandidaten in den Interviews und der Präsentation sehr „obrigkeits- denkend“ verhielten, stellte Frau Wegner kurzer Hand die Gruppenaufgabe um, um die Teilnehmer, gezielt in eine Falle zu locken. Ihnen sollte dabei klar und deutlich ihre Schwäche aufgezeigt werden. Das gelang ihr auch.

Die Gruppenarbeit als solche als auch die Präsentation ist allen gut gelungen. Wir drei Beobachter hatten Bewertungsbögen anhand derer wir Gruppenverhalten, Einsatz, Durchsetzungsvermögen, Präsentation, Ausdruck etc. bewerteten. Zum Schluss gab es für jeden Teilnehmer auf Wunsch ein individuelles Feedback anhand der am Tag erfassten Daten. Ebenso wurden die Bewerbungsunterlagen beurteilt, die die Teilnehmer anhand der Stellenausschreibung erstellt hatten und entsprechende Verbesserungspotenziale genannt.

    

Fazit der Teilnehmer:
„Ich habe sehr viel für mich mitnehmen können. Es war ein sehr spannender, anstrengender und ereignisreicher Tag, der sehr viel Spaß gemacht hat“, sagte eine Teilnehmerin.

Dies unterstreicht die Meinung aller Teilnehmer. Zu Beginn erklärten sie, dass sie noch nie ein Assessment-Center gemacht haben und nun erste Erfahrungen sammeln wollen. Bei Einigen stehen in näherer Zukunft Assessment-Center an auf die sie sich vorbereiten wollen. Aber auch sich selbst in solch einer Stresssituation kennenzulernen und Verbesserungspotenziale zu erfahren war eine Motivation  für die Teilnahme.

Frau Wegner gab den Teilnehmern am Schluss noch mit auf Weg, dass man sich sehr gut auf das Unternehmen vorbereiten muss. Wichtig ist aber auch immer im Assessment-Center „natürlich“ zu bleiben. Bei einem Assessment-Center gibt es am Ende nie ein Ergebnis, da sich die Beobachter erst noch umfassend austauschen müssen und die Ergebnisse ausgewertet werden. Daher gab es auch bei uns keinen „Gewinner“ oder „Verlierer“. Doch letztendlich sagte Frau Wegner, entscheidet bei einer Bewerberauswahl bei gleicher Qualifikation immer noch die „ Beziehung zum Auftraggeber“. Was nutzt einem Unternehmen ein Bewerber mit sehr guter Qualifikationen, der aber nicht ins Team passt. Dieses Argument konnten alle Teilnehmer nachvollziehen.

Am Ende des Tages gab es viele „AHA“-Effekte und ich hoffe, dass diese Erfahrung in Euren realen Assessment-Centern hilfreich sein kann. Ich würde mich sehr freuen bald wieder mit diesem tollen Team ein Assessment-Center durchführen zu können und vielleicht den Einen oder Anderen wiederzusehen – zudem ist das Interesse an weiteren Themen groß.

Es war auch für mich eine spannende, anstrengende und sehr lehrreiche Praxis-Simulation. Vielen Dank für Euer Vertrauen und vielen Dank an Frau Wegner für den tollen Tag!

Ophelia Markgraf, AKADalumni-Regionalleiterin Südwest