Rückblick: 4. AKAD Forum „Der unberechenbare Faktor Mensch"

Der homo oeconomicus ist tot: Wissenschaftler, Studierende, Absolventen und Gäste diskutierten in zahlreichen Workshops und Seminare am 17. November 2012, an der WHL Wissenschaftlichen Hochschule Lahr den vermeintlich rationalen Menschen in der Wirtschaft. Professor Dr. Michael Schreckenberg eröffnete vor den rund 100 Teilnehmern das AKAD Forum „Der unberechenbare Faktor Mensch“ mit seinem Vortrag „Das Phänomen Panik – Die Dynamik von Menschenmassen“.

Professor Schreckenberg ist promovierter Physiker und Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, der sich auf Verkehrs- und Verhaltensforschung spezialisiert hat. In den letzten Jahren wurde er immer wieder von den Medien als Experte hinzugezogen – etwa im Jahr 2010 im Rahmen der Berichterstattung zu den tragischen Ereignissen während der Love-Parade in Duisburg oder bei Schiffsunglücken wie der Costa Concordia Anfang dieses Jahres. „In der Physik beschäftigt man sich seit längerem mit der Dynamik granularer Materie, also etwa von Sandkörnern oder Kieselsteinen. Dabei wird zum Beispiel untersucht, wie sich die vielen Einzelteile in bestimmten Situationen zueinander verhalten. Es ist naheliegend die Konzepte, die dort entwickelt wurden, auch auf die Dynamik von Menschenmassen zu übertragen“, erklärt Professor Schreckenberg seine Forschungen.

 

Umfassende Workshops und Seminare: Warum machen Menschen Fehler?

Neben Professor Schreckenberg stellten Professoren der AKAD Hochschulen und der WHL Wissenschaftlichen Hochschule Lahr Aktuelles aus ihren Fachgebieten vor. In zahlreichen Vorträgen und Workshops wurden Fragestellungen aus den Wirtschaftswissenschaften beleuchtet und mit den Gästen sowie mit Studierenden und Absolventen diskutiert. Die Themen reichten dabei von der experimentellen Wirtschaftsforschung über Marketing in Zeiten von Social Media und Smartphones bis hin zu Fehlerforschung und evolutionärer Anthropologie. Professor Dr. Stephan Schöning von der WHL beispielsweise erörterte in seinem Vortrag die Frage, warum Menschen Fehler machen. Er lieferte Erklärungsansätze für das Eintreten von Schadensereignissen. Dabei kam er unter anderem zu dem Schluss, dass Unfälle aufgrund menschlicher Fehler zwar oft auf das Versagen eines Individuums zurückgeführt werden – meist seien jedoch mehrere Fehlerquellen dafür verantwortlich, die mit dem Modell der „Dirty Dozen“ differenziert betrachtet werden könnten.